Was ist eine Phelsume?

Was ist eigentlich eine Phelsume?

Das ist die Frage, die ich so gut wie immer von Besuchern gestellt bekomme, die zum ersten mal zu Besuch bei mir sind. Mit der Antwort, “ein taggaktiver Gecko, eine Echse mit Haftfüßen“ ist die Frage dann meist schnell beantwortet und der Wissensstand des Besuchers ist oft zu Genüge erweitert.

Für alle die mehr über die Gattung Phelsuma wissen möchten habe ich hier einige, mehr oder weniger wichtige Informationen zusammengetragen.

Geckos allgemein

Die Familie der Geckos (Geckonidae) bevölkert seit ca. 50 Millionen Jahren die Erde und hat sich im Laufe ihrer Entwicklung über die ganze Erde ausgebreitet. Dank ihrer hervorragenden Anpassungsfähigkeit haben die Geckos die verschiedensten Lebensräume erobert und sind sowohl in den gemäßigten Zonen, wie auch in den Wüsten der Erde und den Tropen anzutreffen. Dort haben sie es zu einer schier unüberschauberen Artenvielfalt gebracht. Bis heute sind ca. 90 Gattungen mit 950 Arten bei den Geckos (H. Rösler 1995 "Geckos der Welt") bekannt, die abhängig von Gestalt und Abstammung in vier Unterfamilien der Gekkonidae unterteilt werden.

- Eublepharinae (Lidgeckos)

- Diplodactyliniae (Doppelfingergeckos)

- Gekkoninae (Eigentliche Geckos)

- Sphaerodactylinae (Kugelfingergeckos)

Dabei sind Geckos kleine bis mittelgroße Echsen, die zwischen 4cm und knapp 40cm groß werden können. Die meisten Geckos (ca. 75%) sind dämmerungs- oder nachtaktive Tiere, mit dementsprechend unauffälliger Färbung und einer der Nachtaktivität angepaßten Spaltpupille (Katzenauge). Manchmal sonnen sich diese scheuen und meist sehr flinken Burschen aber auch in der frühen Dämmerung oder am Tage, so wie es ihre Verwandten, die sogenannten Taggeckos, so gerne tun. Diese sind im Gegensatz zu ihren Verwandten meist auffälliger gefärbt und besitzen eine runde Pupille.

Die Gattung Phelsuma

Die Familie der Phelsumen, die überwiegend auf Madagaskar und den umliegenden Inseln der Seychellen, Komoren, Maskarenen, der Ostafrikanischen Küste und der Andaman-Insel leben, gliedert sich wiederum in viele verschiedene Arten und Unterarten. Diese werden zwischen 80mm und 300m und sind bis auf einige wenige Individuen farblich sehr ansprechend gefärbt.

Bisher wurden 64 verschiedenen Arten und Unterarten dieser Gekkoninae- Gattung beschrieben, wobei 63 der Schutzbestimmungen WAII des Washingtoner Artenschutzgesetzes unterliegen. Mit Phelsuma guentheri gibt es wohl nur eine Ausnahme, die des WAI unterliegt. Diese Phelsume unterscheidet sich auch in ihrer Aktivitätszeit von allen übrigen Phelsumen. Sie ist Dämmerungs- bzw. Nachtaktiv und besitzt eine Spaltpupille.

Aller wahrscheinlichkeit sind bereits 2 dieser 64 beschriebenen Arten ausgestorben, Hierbei handelt es sich um Ph. edwardnewtoni sowie Ph. gigas.

Weitere Arten werden wohl bald folgen, sollte nichts gegen die Brandrodungen und den Raubbau in deren Biotopen unternommen werden.

In ihrer Körperform unterscheiden sich Phelsumen nicht sonderlich von den bei uns heimischen Eidechsen, lediglich die Beschuppung weist besondere Merkmale auf.

Einen ausgeprägten Geschlechtsdichromatismus gibt es nur bei wenigen Phelsuma-Arten, doch lassen sich die männlichen Individuen im Adultstadium schnell durch die leicht geöffneten Femoralporen in der Innenseite der Schenkel sowie durch den oftmals bulliger wirkenden Kopf von den weiblichen unterscheiden.

Die Haftfüße der Geckos sind wohl als besondere Gabe der Natur zu sehen. Durch diese befähigt, bewegt sich der Gecko sehr schnell und geschickt auf glatten Oberflächen wie Glas oder Blättern von Pflanzen und ist damit seinem vorwiegendem Lebensraum, den tropischen Wäldern perfekt angepasst.

Diese Haftfüße bestehen nicht etwa aus irgendwelchen biomechanischen Saugknöpfen wie oftmals von Leihen angenommen, auf der Unterseite eines Geckofußes befinden sich mehrere mit dem bloßen Auge nur sehr schwer zu erkennende parallel zu einander verlaufende Lamellen, die mit tausenden von kleinen Harken besetzt sind.

Diese Harken sind so klein, dass sie selbst in Unebenheiten des für den Menschen doch so glatten Glases, halt finden!

Befähigt durch diese einzigartigen Füße und seinem niedrigen Eigengewicht, wird ein Taggecko zu einem erbarmungslosen Jäger und stellt seinem Futter (vorw. Insekten) selbst auf dem letzten Blatt einer Baumkrone nach.

Die Ernährung umfasst aber nicht nur wie angenommen Insekten, auch überreifes Obst sowie Blütennektar und Blütenpollen stehen auf seinem Speiseplan und werden oft mitbesonderer Vorliebe gefressen.

Mit Hilfe seiner klebrigen Zunge nimmter er Partikel von Obst sowie Wasser zur Stillung seines Durstes auf.

Durch diese teils herbivore Ernährung leistet die Phelsume auch einen Beitrag zur Vermehrung in der Pflanzenwelt, sie bestäubt dadurch Bäume und Pflanzen in Manier einer Biene.

Oft kann man Phelsumen dabei beobachten, wie sie sich ihre Augen ablecken, dies ist die einzige Möglichkeit die Hornhaut auf ihren Augen zu säubern, denn das Auge einer Phelsume verfügt über keine schliesbaren Augenlieder.